Mea est ultio, et ego retribuam in tempore.
(Altes Testament – 5. Buch Mose, Vers 32.35)
***
Villa San Salvatore al Monte, nahe Florenz, 24. Juni 1989
http://www.youtube.com/watch?v=MD7dsz0afFA - (Avarice – Hans Zimmer)
Donnergrollen riss mich aus dem Schlaf. Blitze zuckten vor dem offen stehenden Fenster über den Himmel, machten die Nacht zum Tag und tauchten das dunkle Zimmer für den Bruchteil eines Moments in weißes, kaltes Licht, sodass dessen Konturen vor meinen Augen völlig verschwammen. Orientierungslos starrte ich in die Dunkelheit, atmete heftig ein und aus und versuchte meine Augen an das schummrige Licht zu gewöhnen, indem ich suchend über die Malereien an der Decke fuhr. Abwartend lauschte ich dem Zirpen der Zikaden, dem stärker werdenden Regen und weiteren Geräuschen der lauen Sommernacht. Mein Verstand war noch nicht völlig aus meinen Träumen erwacht, während draußen das Gewitter immer näher kam.
Als dann ein weiterer Blitz über den schwarzen Himmel zuckte, ganz in der Nähe des Hauses einschlug und die alten Mauern damit zum erzittern brachte, schrie ich erschrocken auf. Die bunten Bilder an der Decke schienen sich wie Geister vor meinen Augen zu bewegen, Mars – der Gott des Krieges – warf seine goldenen Pfeile auf mich und das Dröhnen des Donners war plötzlich so ohrenbetäubend laut, als wäre die stürmische Szene des Fresko – an dem ich mich bei Tageslicht nicht sattsehen konnte - tatsächlich zum Leben erwacht.
Panisch riss ich mir das weiße Laken, das mir als Decke diente, über den Kopf und versuchte mich darunter zu verstecken, doch natürlich bot es keinerlei Schutz. Es war viel zu dünn und vollkommen nutzlos gegen die Übermacht des heranziehenden Gewitters, sodass das weiße, grelle Licht der nächsten Blitze den gesamten Raum taghell flutete.
„Mommy!“, fing ich an zu schreien und sprang fluchtartig aus dem Bett.
Innerhalb von Sekunden hatte ich barfuß den Raum durchquert, die Tür aufgerissen und den dunklen Flur dahinter erreicht. Ich tastete nach dem nächstbesten Lichtschalter, klickte ihn sinnloserweise mehrere Male hin und her, obwohl rein gar nichts geschah. Mein verschrecktes Gehirn begriff viel zu langsam, dass der Strom ausgefallen sein musste und das Haus in vollkommener Dunkelheit versank. Ich fing an zu zittern.
Die kühle Nacht hatte endlich Erleichterung versprochen, denn seit Tagen lag eine schwere, drückende Hitze über der Toskana. Doch was als milder Sommerregen begonnen hatte, entpuppte sich nun als wahrhaft furchtbares Unwetter, wie ich es zu Hause in Chicago noch nie erlebt hatte.
Neues Licht zuckte im Sekundentakt über den Himmel, erhellte meine Umgebung, sodass ich klar erkannte, dass die Schlafzimmertür meiner Eltern, auf die ich jetzt zurannte, bereits weit offen stand. Meine kleine Schwester hockte davor, hielt ihren Lieblingsteddy in den Armen und weinte bitterlich vor sich hin.
„Clara!“
„Tony!“, schniefte sie erleichtert, als sie ihren Kopf hochriss und mich erkannte.
Völlig selbstverständlich griff ich nach ihrer kleinen, nassen Hand, hielt sie tröstend fest und sah mich in der schummrigen Dunkelheit um.
„Wo sind Mommy und Daddy?“
„Weiß nicht, sie sind weg!“
Hilflos starrte ich in das leere Schlafzimmer, dessen riesiges Bett zerwühlt und verlassen war, doch dann lenkte ein anderer, fremdartiger Ton meine Aufmerksamkeit auf sich und ich fuhr wieder zu meiner Schwester herum.
„Sie sind unten!“, schrie ich ihr erleichtert über den Donner hinweg entgegen und zog sie zur Treppe, doch Clara war nicht schnell genug.
Ihre kurzen Beine konnten die Distanz zwischen den einzelnen Stufen nicht so sicher überwinden wie ich es tat, sodass meine Ungeduld und Angst sich vermischten und ich wieder anfing hektisch zu atmen, während ich die Treppe am liebsten so schnell wie möglich hinunter gestürzt wäre.
„Warte auf mich!“, rief sie weinend hinter mir, als ich drohte sie loszulassen, aber Clara sich verzweifelt an mich klammerte, während sie versuchte ihren Teddybären nicht zu verlieren.
Wieder wurde das riesige Haus in grelles, weißes Licht getaucht. Ich versuchte es in meiner aufkommenden Panik zu verdrängen, schloss die Augen und stolperte die Treppe nach unten. Clara zitterte am ganzen Körper, war genauso verängstigt wie ich und hörte auch dann noch nicht auf zu weinen, als ich endlich mit ihr im Schlepptau den Fuß der Treppe erreichte und abbog.
Ich kannte die schöne, jahrhundertealte, toskanische Villa inzwischen so gut, dass ich selbst in absoluter Dunkelheit die Orientierung nicht mehr verlor. In den vergangenen Tagen hatten meine Schwester und ich solange Fangen in den weitläufigen Räumen gespielt, bis meine Mutter anfing zu schimpfen, weil ich allzu übermütig die teuren Antiquitäten und Bodenvasen umrundete.
Der Sommer in Italien hatte gerade erst begonnen, unser Urlaub sollte noch weitere drei Wochen – bis zum Ende meiner Schulferien - andauern, aber bedauerlicherweise nahm er in dieser Nacht – den letzten Stunden meines zehnten Geburtstages – ein jähes, unerwartetes Ende.
Blind zog ich Clara hinter mir her, folgte den Stimmen meiner Eltern, die aus der riesigen Bibliothek drangen und wollte bereits erleichtert aufseufzen, als ich endlich kurz davor stand, mich an die Brust meiner Mutter zu werfen und mich an ihr festzuklammern. Ich ahnte nichts Böses, bildete mir ein, sie und mein Vater würden einfach nur im Haus nachschauen, ob alles in Ordnung war und den Strom wieder einschalten, doch diesmal kam alles anders und mein natürlicher Überlebensinstinkt machte mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, als er dafür sorgte, dass ich ruckartig an der Tür stehen blieb.
Ein Teil meines Verstandes schien bereits zu wissen was mich erwartete, als er die dunklen Gedanken der Menschen um mich herum erahnte, als hätte ich eine geheime Gabe mit der ich sie lesen konnte. Ich wusste sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Als ein weiterer Blitz alles um mich herum aufhellte, hielt ich unwillkürlich den Atem an. Ich sah, dass mehrere der bodentiefen, halbrunden Fenster offen standen und die weißen Vorhänge sich wie von Geisterhand bewegten. Kalter Wind wehte durch den Raum, drückte den Regen herein, aber niemand unternahm etwas dagegen, denn meine Eltern standen bewegungslos und gefangen mitten im Raum, während sie von drei fremdem, schwarz gekleideten Gestalten festgehalten wurden, die jetzt ihre geladenen Waffen auf meine Schwester und mich richteten.
Ich klammerte mich an Clara fest und diese rief panisch nach unserer Mutter.
„Mommy!“
„Clara! Anthony!“
Verzweifelt versuchte meine Mutter sich loszureißen, als einer der drei Männer sie fester packte und wegriss, während ein anderer auf uns zukam. Instinktiv bewegte ich mich rückwärts, versuchte alles im schummrigen Licht zu überblicken und ließ die drei fremden Gestalten dabei nicht aus den Augen. Doch für Clara galt dies leider nicht. Sie entschlüpfte panisch schreiend meinem Griff, rannte die kurze Distanz über den Teppich und warf sich – trotz der offensichtlichen Gefahr - weinend in die Arme unserer Mutter.
Lauter Donner war zu hören, Blitze zuckten vor den Fenstern, Chaos brach aus.
Im konfusen Wechsel von hell zu dunkel, rannte auch ich blindlings los, während mein Vater mir panisch zurief, dass ich mich verstecken sollte. Etwas Festes erwischte mein linkes Bein, brachte mich aus dem Gleichgewicht, doch noch ehe ich schreiend auf dem harten Boden aufschlagen konnte, hatte eine Hand das Oberteil meines Schlafanzuges am Rücken gepackt und riss mich unsanft zurück. Ich strampelte, boxte wild um mich, doch der Mann, der mich scheinbar mühelos erwischt hatte, war um so vieles stärker als ich selbst und deshalb gelang es ihm auch, mich noch härter zu packen und festzuhalten. Sein triumphierendes Kichern klang durch die dunkle Kapuze die er trug, gedämpft und unwirklich.
„Hab ich dich…“
„Sei still Junge, oder du wirst es bereuen“, zischte einer der anderen beiden mir zu und augenblicklich packte mich mein Angreifer noch fester.
„Bitte… sie sind doch noch Kinder“, flehte meine Mutter und ich sah, wie sie und Clara auf dem Boden hockten und einander festhielten, während der dritte Mann – der Kleinste von ihnen - seine Waffe auf beide gerichtet hatte und sie so in Schach hielt. „Tut ihnen nicht weh…“
Der Größte hielt meinen Vater im Würgegriff, hatte ihm seine dunkle, mit einem schwarzen Handschuh verdeckte Hand auf den Mund gepresst und bohrte ihm den Lauf seiner Pistole unsanft in die Rippen, bis dieser endlich still hielt. Dad´s Augen rollten panisch hin und her, bis sein Blick direkt mit meinem zusammentraf.
„Nun, Masen“, zischte ihm sein Gegner mit dunkler, unheimlicher Stimme deutlich hörbar zu, „vielleicht bist du ja jetzt bereit mir endlich zu verraten, wo der Diamant ist?“
Mein Vater versuchte zu sprechen, riss an seinen Fesseln und schaffte es endlich die Hand vor seinem Mund loszuwerden. Ich sah zu wie er keuchte, nach Luft schnappte und dann erschrocken stöhnte, als die Waffe des großen Mannes sich an seinen Hals presste und ihn daran hinderte sich noch freier zu bewegen.
„Also?“, verlangte dieser schlicht zu wissen.
„Ich… ich weiß nicht was Ihr meint…“
„Der Diamant! Der Beatitudo Viridis! Wo ist er?!“
Ich zuckte zusammen, denn lauter Donner unterstrich die Frage des Mannes, dessen Gesicht ich nicht sehen konnte, wie ein böses Omen und ein weiterer Blitz schlug in der Nähe des Hauses ein. Sein Schall schien ewig im Raum zu schweben, der Lärm zerriss fast mein Trommelfell und Clara und meine Mutter schrien beide panisch auf.
„Er ist nicht hier!“
„Verarsch mich nicht!“
„Bitte… ich schwöre es!“
Der darauffolgende Fluch des vermummten Mannes wurde vom Lärm der Nacht verschluckt, ich konnte nichts weiter tun als hilflos mit ansehen, wie er sich kurzerhand von meinem Vater abwandte, seine Waffe auf meine Mutter und meine kleine Schwester richtete und ohne zu zögern einfach abdrückte.
Als dann ein weiterer Blitz über den schwarzen Himmel zuckte, ganz in der Nähe des Hauses einschlug und die alten Mauern damit zum erzittern brachte, schrie ich erschrocken auf. Die bunten Bilder an der Decke schienen sich wie Geister vor meinen Augen zu bewegen, Mars – der Gott des Krieges – warf seine goldenen Pfeile auf mich und das Dröhnen des Donners war plötzlich so ohrenbetäubend laut, als wäre die stürmische Szene des Fresko – an dem ich mich bei Tageslicht nicht sattsehen konnte - tatsächlich zum Leben erwacht.
Panisch riss ich mir das weiße Laken, das mir als Decke diente, über den Kopf und versuchte mich darunter zu verstecken, doch natürlich bot es keinerlei Schutz. Es war viel zu dünn und vollkommen nutzlos gegen die Übermacht des heranziehenden Gewitters, sodass das weiße, grelle Licht der nächsten Blitze den gesamten Raum taghell flutete.
„Mommy!“, fing ich an zu schreien und sprang fluchtartig aus dem Bett.
Innerhalb von Sekunden hatte ich barfuß den Raum durchquert, die Tür aufgerissen und den dunklen Flur dahinter erreicht. Ich tastete nach dem nächstbesten Lichtschalter, klickte ihn sinnloserweise mehrere Male hin und her, obwohl rein gar nichts geschah. Mein verschrecktes Gehirn begriff viel zu langsam, dass der Strom ausgefallen sein musste und das Haus in vollkommener Dunkelheit versank. Ich fing an zu zittern.
Die kühle Nacht hatte endlich Erleichterung versprochen, denn seit Tagen lag eine schwere, drückende Hitze über der Toskana. Doch was als milder Sommerregen begonnen hatte, entpuppte sich nun als wahrhaft furchtbares Unwetter, wie ich es zu Hause in Chicago noch nie erlebt hatte.
Neues Licht zuckte im Sekundentakt über den Himmel, erhellte meine Umgebung, sodass ich klar erkannte, dass die Schlafzimmertür meiner Eltern, auf die ich jetzt zurannte, bereits weit offen stand. Meine kleine Schwester hockte davor, hielt ihren Lieblingsteddy in den Armen und weinte bitterlich vor sich hin.
„Clara!“
„Tony!“, schniefte sie erleichtert, als sie ihren Kopf hochriss und mich erkannte.
Völlig selbstverständlich griff ich nach ihrer kleinen, nassen Hand, hielt sie tröstend fest und sah mich in der schummrigen Dunkelheit um.
„Wo sind Mommy und Daddy?“
„Weiß nicht, sie sind weg!“
Hilflos starrte ich in das leere Schlafzimmer, dessen riesiges Bett zerwühlt und verlassen war, doch dann lenkte ein anderer, fremdartiger Ton meine Aufmerksamkeit auf sich und ich fuhr wieder zu meiner Schwester herum.
„Sie sind unten!“, schrie ich ihr erleichtert über den Donner hinweg entgegen und zog sie zur Treppe, doch Clara war nicht schnell genug.
Ihre kurzen Beine konnten die Distanz zwischen den einzelnen Stufen nicht so sicher überwinden wie ich es tat, sodass meine Ungeduld und Angst sich vermischten und ich wieder anfing hektisch zu atmen, während ich die Treppe am liebsten so schnell wie möglich hinunter gestürzt wäre.
„Warte auf mich!“, rief sie weinend hinter mir, als ich drohte sie loszulassen, aber Clara sich verzweifelt an mich klammerte, während sie versuchte ihren Teddybären nicht zu verlieren.
Wieder wurde das riesige Haus in grelles, weißes Licht getaucht. Ich versuchte es in meiner aufkommenden Panik zu verdrängen, schloss die Augen und stolperte die Treppe nach unten. Clara zitterte am ganzen Körper, war genauso verängstigt wie ich und hörte auch dann noch nicht auf zu weinen, als ich endlich mit ihr im Schlepptau den Fuß der Treppe erreichte und abbog.
Ich kannte die schöne, jahrhundertealte, toskanische Villa inzwischen so gut, dass ich selbst in absoluter Dunkelheit die Orientierung nicht mehr verlor. In den vergangenen Tagen hatten meine Schwester und ich solange Fangen in den weitläufigen Räumen gespielt, bis meine Mutter anfing zu schimpfen, weil ich allzu übermütig die teuren Antiquitäten und Bodenvasen umrundete.
Der Sommer in Italien hatte gerade erst begonnen, unser Urlaub sollte noch weitere drei Wochen – bis zum Ende meiner Schulferien - andauern, aber bedauerlicherweise nahm er in dieser Nacht – den letzten Stunden meines zehnten Geburtstages – ein jähes, unerwartetes Ende.
Blind zog ich Clara hinter mir her, folgte den Stimmen meiner Eltern, die aus der riesigen Bibliothek drangen und wollte bereits erleichtert aufseufzen, als ich endlich kurz davor stand, mich an die Brust meiner Mutter zu werfen und mich an ihr festzuklammern. Ich ahnte nichts Böses, bildete mir ein, sie und mein Vater würden einfach nur im Haus nachschauen, ob alles in Ordnung war und den Strom wieder einschalten, doch diesmal kam alles anders und mein natürlicher Überlebensinstinkt machte mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, als er dafür sorgte, dass ich ruckartig an der Tür stehen blieb.
Ein Teil meines Verstandes schien bereits zu wissen was mich erwartete, als er die dunklen Gedanken der Menschen um mich herum erahnte, als hätte ich eine geheime Gabe mit der ich sie lesen konnte. Ich wusste sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
Als ein weiterer Blitz alles um mich herum aufhellte, hielt ich unwillkürlich den Atem an. Ich sah, dass mehrere der bodentiefen, halbrunden Fenster offen standen und die weißen Vorhänge sich wie von Geisterhand bewegten. Kalter Wind wehte durch den Raum, drückte den Regen herein, aber niemand unternahm etwas dagegen, denn meine Eltern standen bewegungslos und gefangen mitten im Raum, während sie von drei fremdem, schwarz gekleideten Gestalten festgehalten wurden, die jetzt ihre geladenen Waffen auf meine Schwester und mich richteten.
Ich klammerte mich an Clara fest und diese rief panisch nach unserer Mutter.
„Mommy!“
„Clara! Anthony!“
Verzweifelt versuchte meine Mutter sich loszureißen, als einer der drei Männer sie fester packte und wegriss, während ein anderer auf uns zukam. Instinktiv bewegte ich mich rückwärts, versuchte alles im schummrigen Licht zu überblicken und ließ die drei fremden Gestalten dabei nicht aus den Augen. Doch für Clara galt dies leider nicht. Sie entschlüpfte panisch schreiend meinem Griff, rannte die kurze Distanz über den Teppich und warf sich – trotz der offensichtlichen Gefahr - weinend in die Arme unserer Mutter.
Lauter Donner war zu hören, Blitze zuckten vor den Fenstern, Chaos brach aus.
Im konfusen Wechsel von hell zu dunkel, rannte auch ich blindlings los, während mein Vater mir panisch zurief, dass ich mich verstecken sollte. Etwas Festes erwischte mein linkes Bein, brachte mich aus dem Gleichgewicht, doch noch ehe ich schreiend auf dem harten Boden aufschlagen konnte, hatte eine Hand das Oberteil meines Schlafanzuges am Rücken gepackt und riss mich unsanft zurück. Ich strampelte, boxte wild um mich, doch der Mann, der mich scheinbar mühelos erwischt hatte, war um so vieles stärker als ich selbst und deshalb gelang es ihm auch, mich noch härter zu packen und festzuhalten. Sein triumphierendes Kichern klang durch die dunkle Kapuze die er trug, gedämpft und unwirklich.
„Hab ich dich…“
„Sei still Junge, oder du wirst es bereuen“, zischte einer der anderen beiden mir zu und augenblicklich packte mich mein Angreifer noch fester.
„Bitte… sie sind doch noch Kinder“, flehte meine Mutter und ich sah, wie sie und Clara auf dem Boden hockten und einander festhielten, während der dritte Mann – der Kleinste von ihnen - seine Waffe auf beide gerichtet hatte und sie so in Schach hielt. „Tut ihnen nicht weh…“
Der Größte hielt meinen Vater im Würgegriff, hatte ihm seine dunkle, mit einem schwarzen Handschuh verdeckte Hand auf den Mund gepresst und bohrte ihm den Lauf seiner Pistole unsanft in die Rippen, bis dieser endlich still hielt. Dad´s Augen rollten panisch hin und her, bis sein Blick direkt mit meinem zusammentraf.
„Nun, Masen“, zischte ihm sein Gegner mit dunkler, unheimlicher Stimme deutlich hörbar zu, „vielleicht bist du ja jetzt bereit mir endlich zu verraten, wo der Diamant ist?“
Mein Vater versuchte zu sprechen, riss an seinen Fesseln und schaffte es endlich die Hand vor seinem Mund loszuwerden. Ich sah zu wie er keuchte, nach Luft schnappte und dann erschrocken stöhnte, als die Waffe des großen Mannes sich an seinen Hals presste und ihn daran hinderte sich noch freier zu bewegen.
„Also?“, verlangte dieser schlicht zu wissen.
„Ich… ich weiß nicht was Ihr meint…“
„Der Diamant! Der Beatitudo Viridis! Wo ist er?!“
Ich zuckte zusammen, denn lauter Donner unterstrich die Frage des Mannes, dessen Gesicht ich nicht sehen konnte, wie ein böses Omen und ein weiterer Blitz schlug in der Nähe des Hauses ein. Sein Schall schien ewig im Raum zu schweben, der Lärm zerriss fast mein Trommelfell und Clara und meine Mutter schrien beide panisch auf.
„Er ist nicht hier!“
„Verarsch mich nicht!“
„Bitte… ich schwöre es!“
Der darauffolgende Fluch des vermummten Mannes wurde vom Lärm der Nacht verschluckt, ich konnte nichts weiter tun als hilflos mit ansehen, wie er sich kurzerhand von meinem Vater abwandte, seine Waffe auf meine Mutter und meine kleine Schwester richtete und ohne zu zögern einfach abdrückte.
Meinen eigenen Schrei hörte ich durch den Lärm des Unwetters und des Schusses nicht. Genauso wenig wie die Worte meines Geiselnehmers, der mich wieder fester packte, als ich mich loszureißen versuchte. Mühelos hob er mich in die Luft, unterdrückte mein strampeln und zetern und riss mich herum, bis ich nicht mehr direkt sehen konnte was um mich herum passierte. Ich erwartete, dass die Kugel irgendwo in den Wänden der Bibliothek einschlug, Glas oder Holz zum Splittern brachte, doch nichts dergleichen geschah und stattdessen fiel meine kleine Schwester leblos aus den Armen meiner Mutter und sank zu Boden – ihr Blut tränkte im Bruchteil von Sekunden ihr helles Nachthemd, denn die tödliche Kugel hatte ihr Ziel nicht verfehlt.
In meinem Kopf rauschte es, in meinen Ohren dröhnte noch immer der Schuss aus der Waffe dieses eiskalten Fremden, vermischt mit dem Grollen des Gewitters. Der Mann, der mich festhielt, drückte seine Arme um meinen Bauch so stark zusammen, bis ich keine Luft mehr bekam und mir schwarz vor Augen wurde. Automatisch ließ meine Kraft nach und ich hörte endlich auf mich gegen ihn zu wehren als ich einsah, dass ich keine Chance gegen ihn hatte.
„Mach, dass sie endlich aufhört zu schreien!“, befahl der Schütze dem kleinen Mann, der eben noch meine Schwester und meine Mutter in Schach gehalten hatte und jetzt einfach nichtstuend dastand, während Clara direkt vor seinen Füßen lag und verblutete.
Er hob den Kopf und sah den anderen, der ganz offensichtlich das Sagen hatte, an.
„Aber… aber…“
„Los! Halt sie fest, damit sie endlich ihre verdammte Klappe hält!“
Und als der kleine Mann endlich reagierte, hob der Große wieder seine Waffe und wartete bis sein Gefährte meine Mutter am Arm packte, hochriss und sie zwang den Körper meiner Schwester loszulassen.
„Nein! Nein! Nein!“
„Mom!“
„Elisabetta!“
Wieder ging das Grauen von vorne los. Wieder zerriss ein lauter Knall die Nacht. Wieder schrie ich nach meiner Mutter und hörte über den Lärm hinweg, wie ihre eigene Stimme von einem Moment auf den nächsten für immer verstummte. Mein Vater war nach vorn gestürzt, hatte sich mit aller Kraft aus den Fesseln seines Gegners befreit und versuchte sich noch rechtzeitig vor sie zu werfen, doch er kam zu spät. Alles Leben wich aus ihren panischen, vor Angst weit aufgerissenen Augen, und das Grün ihrer Iriden erstarrte wie Glas.
„James! Der Junge!“
Ich spürte kaum, wie ich plötzlich auf den Boden knallte und rappelte mich instinktiv wieder auf. Mein Verstand war noch immer im Schock gefangen, realisierte nicht schnell genug, dass ich meinem Gegner entkommen war, doch mein Körper handelte wie von selbst. Ich hatte mich irgendwie losgerissen, versuchte zu fliehen, aber mein Gegner wollte mich erneut am Rücken packen. Er riss wieder an meinem Schlafanzugoberteil und hatte im nächsten Moment nichts weiter als lose Fetzen in der Hand, während ich durch die Wucht seines Griffs nach vorne stürzte, um ihm zu entkommen.
„Bleib gefälligst hier!“
Das Gewitter schwebte direkt über dem Haus, Blitz und Donner gingen im Sekundentakt nieder und im Schrecken dieser Nacht steigerte sich meine Panik schließlich ins Unermessliche. Ich wusste nicht was ich tat, als ich versuchte diesen fremden, gefährlichen Männern zu entkommen, doch ich wählte blind den falschen Weg und sah mich im nächsten Moment direkt einem von ihnen gegenüberstehen. Seine Waffe zeigte erbarmungslos in mein Gesicht. Ich blickte direkt in dessen schwarzen, endlos erscheinenden Lauf und dann glühte dieser kurz auf, als wieder ein Schuss abgefeuert wurde und der Lärm meine Ohren zerriss.
Ob die Kugel mich tatsächlich traf, spürte ich nicht. Es war nur ein kleines, kurzes Zucken, das durch meinen Körper ging, aber es reichte aus, um mich wieder zu Fall zu bringen. Der Schmerz, der sich heiß und beißend durch meinen Kopf zog, dauerte nur eine Sekunde lang an, dann war plötzlich alles dunkel um mich herum und ich rollte haltlos über den blanken Steinboden der großen Bibliothek und blieb direkt unter den Füßen des Flügels, an dem ich tagtäglich saß und sinnloserweise herumklimperte, liegen.
Wie viel Zeit verging, wusste ich nicht, doch es konnten nicht mehr als ein paar Minuten gewesen sein. Wieder war es der Donner, der mich zurück ins bewusste Hier und Jetzt riss, aber diesmal keuchte ich nicht orientierungslos auf. Mein Instinkt bewahrte mich davor, mich selbst zu verraten, als ich die Augen aufriss und mich suchend umsah.
Geschützt unter dem gewaltigen Korpus des Flügels, lag ich in dessen Schatten und konnte zusehen, wie der größte der drei Männer meinen Vater auf die Knie gezwungen hatte. Er sah aus, als würde er ein stummes Gebet zum Himmel senden, doch dann erkannte ich den Lauf der schwarzen Waffe, der direkt auf seiner Stirn auflag. Dad zitterte am ganzen Körper, hielt einen Gegenstand in seinen Händen und klammerte sich in stummer Verzweiflung daran fest, während sein Gegenüber die Hand begierig danach ausstreckte.
„Gib mir den Diamanten!“, befahl der Mann.
Und als würde alles Geschehene nur noch in Zeitlupe vor meinen Augen ablaufen, öffnete mein Vater seine Hand, reichte dem Mörder meiner Schwester und meiner Mutter den Diamanten und sackte dann schließlich endgültig in sich zusammen. Sein Gegenüber bemerkte die bedingungslose Kapitulation meines Vaters nicht einmal, denn seine Aufmerksamkeit galt nur noch dem Stein, den er sich so gewaltsam genommen hatte. Er ließ ihn an dessen goldener Kette durch seine Finger gleiten und der Kontrast zwischen dem funkelnden, schönen Grün im Gegensatz zum Schwarz seiner Kleidung, war geradezu grotesk.
„Endlich…“, murmelte er leise und ließ den Diamanten, der die gleiche Farbe hatte wie die Augen meiner Mutter, bewundernd im wenigen Licht der Nacht erstrahlen.
Gefesselt von diesem Schauspiel sah ich der Szene zu. Heftete meinen Blick, ebenso wie der Fremde, bewundernd auf den Stein und folgte dem Wechsel der Facetten, die selbst in der Dunkelheit atemberaubend klar zu erkennen waren. Der Beatitudo Viridis – das grüne Glück - war der reinste und wohl seltenste grüne Diamant, der jemals auf dieser Erde gefunden worden war. Ich wollte, ich konnte nicht begreifen, wie mein Vater bereit war das edelste Stück aus seiner Sammlung einfach so fortzugeben, obwohl dieser Diamant mehr wert war, als unser aller Leben.
„Charlie?“
Der Mann, der noch immer seine Waffe auf den Kopf meines Vaters gerichtet hatte, atmete plötzlich scharf ein, als müsste er sich selbst aus einem fernen Traum reißen. Hektisch sah er zwischen meinem Vater und seinen beiden Gefährten hin und her.
„Du sollst meinen Namen nicht laut nennen, James!“, spie er wütend hervor und ließ den Diamant in die Tasche seines dunklen Mantels wandern.
„Aber… aber… Cha…“
„Schweig!“
Der Andere verstummte sofort und der Mann wandte sich wieder an meinen Vater.
„Aber im Grunde ist es sowieso egal..“, flüsterte er in einem eigenartigen Singsang mit seiner tiefen Stimme. „Du wirst sowieso sterben, was nützt dir da noch zu wissen, wer dich getötet hat?“
Es klang wie ein irrer Loblied – eine Mischung aus triumphierenden Lachen und fast schmeichelnden Worten. Dann hob er den Arm mit der Waffe, zielte aus einigen Zentimetern Entfernung direkt auf meinen Vater und erwiderte völlig gelassen dessen leeren Blick. Dieser schien nicht mehr die Kraft zu haben, noch etwas zu sagen und ich war so sehr in meinem Schockzustand gefangen, das auch der letzte Hauch meines Verstandes versagte, während ich mit weit aufgerissenen Augen zusah, wie der letzte Schuss sich aus der Waffe des großen Mannes löste und zwischen Blitz und Donner im Raum widerhallte. Für ein paar Sekunden bewegte sich nichts. Kein Schrei, kein Laut war zu hören, bis das Unwetter draußen wieder eine kurze Atempause einlegte und mein Vater schließlich in sich zusammenbrach.
Mit leeren und doch gleichzeitig wachem Blick, verfolgte ich, wie er mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden landete und an Ort und Stelle liegen blieb. Nur ein kleines, dunkles Loch prangte direkt zwischen seinen Brauen und ich konnte nicht glauben, dass dieses ausreichen sollte, um ihn für immer von mir wegzunehmen. In stummen Entsetzen rührte ich mich nicht mehr, erwiderte beschwörend den erstarrten Blick meines Vaters und versuchte einen letzten Funken Leben darin zu erkennen, während ich in Gedanken immer und immer wieder seinen und die Namen meiner Mutter und Schwester rief.
Was sonst um mich herum geschah, nahm ich nicht mehr bewusst wahr. Ich spürte, sah und hörte nichts, bis das Gewitter weiter zog und schließlich irgendwo in der Nacht ganz verstummte, während die Schatten durch den aufhellenden Mond über den Boden krochen und Mitternacht von Minute zu Minute näher rückte.
„Mom? Dad?“, versuchte ich wieder und wieder eine Antwort zu bekommen, bis ich endlich begriff, dass ich diese niemals mehr erhalten würde.
Stunden schienen zu vergehen, unendlich viel Zeit, bis mein eigener Körper endlich aus seiner Starre erwachte und die ganze Wucht des Schmerzes mich packte. Mit letzter Kraft bewegte ich mich, zog meinen, vor Schmerzen schreienden Körper, so weit wie ich konnte über den glatten Steinboden und blieb kraftlos auf halben Weg liegen. Meine Arme versagten mir im letzten Moment den Dienst, mein Blick verschwamm immer wieder vor meinen Augen, doch ich verstand nicht, warum ein roter Schleier sich darüber legte, bis ich den salzigen, fast rostigen Geschmack meines eigenen Blutes in meinem Mund schmecken konnte. Mir wurde übel, mein Magen drehte sich um und als ich die ganze Tragweite dieser entsetzlichen Nacht endlich begriff, brach ich ohnmächtig neben meiner Familie zusammen, damit auch meine Qual endlich ein Ende hatte.
Geschützt unter dem gewaltigen Korpus des Flügels, lag ich in dessen Schatten und konnte zusehen, wie der größte der drei Männer meinen Vater auf die Knie gezwungen hatte. Er sah aus, als würde er ein stummes Gebet zum Himmel senden, doch dann erkannte ich den Lauf der schwarzen Waffe, der direkt auf seiner Stirn auflag. Dad zitterte am ganzen Körper, hielt einen Gegenstand in seinen Händen und klammerte sich in stummer Verzweiflung daran fest, während sein Gegenüber die Hand begierig danach ausstreckte.
„Gib mir den Diamanten!“, befahl der Mann.
Und als würde alles Geschehene nur noch in Zeitlupe vor meinen Augen ablaufen, öffnete mein Vater seine Hand, reichte dem Mörder meiner Schwester und meiner Mutter den Diamanten und sackte dann schließlich endgültig in sich zusammen. Sein Gegenüber bemerkte die bedingungslose Kapitulation meines Vaters nicht einmal, denn seine Aufmerksamkeit galt nur noch dem Stein, den er sich so gewaltsam genommen hatte. Er ließ ihn an dessen goldener Kette durch seine Finger gleiten und der Kontrast zwischen dem funkelnden, schönen Grün im Gegensatz zum Schwarz seiner Kleidung, war geradezu grotesk.
„Endlich…“, murmelte er leise und ließ den Diamanten, der die gleiche Farbe hatte wie die Augen meiner Mutter, bewundernd im wenigen Licht der Nacht erstrahlen.
Gefesselt von diesem Schauspiel sah ich der Szene zu. Heftete meinen Blick, ebenso wie der Fremde, bewundernd auf den Stein und folgte dem Wechsel der Facetten, die selbst in der Dunkelheit atemberaubend klar zu erkennen waren. Der Beatitudo Viridis – das grüne Glück - war der reinste und wohl seltenste grüne Diamant, der jemals auf dieser Erde gefunden worden war. Ich wollte, ich konnte nicht begreifen, wie mein Vater bereit war das edelste Stück aus seiner Sammlung einfach so fortzugeben, obwohl dieser Diamant mehr wert war, als unser aller Leben.
„Charlie?“
Der Mann, der noch immer seine Waffe auf den Kopf meines Vaters gerichtet hatte, atmete plötzlich scharf ein, als müsste er sich selbst aus einem fernen Traum reißen. Hektisch sah er zwischen meinem Vater und seinen beiden Gefährten hin und her.
„Du sollst meinen Namen nicht laut nennen, James!“, spie er wütend hervor und ließ den Diamant in die Tasche seines dunklen Mantels wandern.
„Aber… aber… Cha…“
„Schweig!“
Der Andere verstummte sofort und der Mann wandte sich wieder an meinen Vater.
„Aber im Grunde ist es sowieso egal..“, flüsterte er in einem eigenartigen Singsang mit seiner tiefen Stimme. „Du wirst sowieso sterben, was nützt dir da noch zu wissen, wer dich getötet hat?“
Es klang wie ein irrer Loblied – eine Mischung aus triumphierenden Lachen und fast schmeichelnden Worten. Dann hob er den Arm mit der Waffe, zielte aus einigen Zentimetern Entfernung direkt auf meinen Vater und erwiderte völlig gelassen dessen leeren Blick. Dieser schien nicht mehr die Kraft zu haben, noch etwas zu sagen und ich war so sehr in meinem Schockzustand gefangen, das auch der letzte Hauch meines Verstandes versagte, während ich mit weit aufgerissenen Augen zusah, wie der letzte Schuss sich aus der Waffe des großen Mannes löste und zwischen Blitz und Donner im Raum widerhallte. Für ein paar Sekunden bewegte sich nichts. Kein Schrei, kein Laut war zu hören, bis das Unwetter draußen wieder eine kurze Atempause einlegte und mein Vater schließlich in sich zusammenbrach.
Mit leeren und doch gleichzeitig wachem Blick, verfolgte ich, wie er mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden landete und an Ort und Stelle liegen blieb. Nur ein kleines, dunkles Loch prangte direkt zwischen seinen Brauen und ich konnte nicht glauben, dass dieses ausreichen sollte, um ihn für immer von mir wegzunehmen. In stummen Entsetzen rührte ich mich nicht mehr, erwiderte beschwörend den erstarrten Blick meines Vaters und versuchte einen letzten Funken Leben darin zu erkennen, während ich in Gedanken immer und immer wieder seinen und die Namen meiner Mutter und Schwester rief.
Was sonst um mich herum geschah, nahm ich nicht mehr bewusst wahr. Ich spürte, sah und hörte nichts, bis das Gewitter weiter zog und schließlich irgendwo in der Nacht ganz verstummte, während die Schatten durch den aufhellenden Mond über den Boden krochen und Mitternacht von Minute zu Minute näher rückte.
„Mom? Dad?“, versuchte ich wieder und wieder eine Antwort zu bekommen, bis ich endlich begriff, dass ich diese niemals mehr erhalten würde.
Stunden schienen zu vergehen, unendlich viel Zeit, bis mein eigener Körper endlich aus seiner Starre erwachte und die ganze Wucht des Schmerzes mich packte. Mit letzter Kraft bewegte ich mich, zog meinen, vor Schmerzen schreienden Körper, so weit wie ich konnte über den glatten Steinboden und blieb kraftlos auf halben Weg liegen. Meine Arme versagten mir im letzten Moment den Dienst, mein Blick verschwamm immer wieder vor meinen Augen, doch ich verstand nicht, warum ein roter Schleier sich darüber legte, bis ich den salzigen, fast rostigen Geschmack meines eigenen Blutes in meinem Mund schmecken konnte. Mir wurde übel, mein Magen drehte sich um und als ich die ganze Tragweite dieser entsetzlichen Nacht endlich begriff, brach ich ohnmächtig neben meiner Familie zusammen, damit auch meine Qual endlich ein Ende hatte.
Das Gewitter war fort, grollte in weiter Ferne über den Bergen und nur das Zirpen der wiedererwachten Zikaden zeugte vom allgegenwärtigen Kreislauf des Lebens, während sich die riesige, toskanisch Villa in Schweigen einhüllte und in ein Grab verwandelte. Der Geruch des Todes wurde vom Wind hinaus in die Nacht getragen. In der Ferne schlugen die Glocken im Dom von Santa Maria del Fiore Mitternacht.
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Mein ist die Rache, und ich will vergelten zu seiner Zeit.



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